30 Grad in Linz. Ich stehe in der Küche und die Rocket heizt den Raum zusätzlich auf. Espresso pur bei der Hitze geht immer, aber heute wollte ich etwas anderes ausprobieren. Espresso Tonic. Ein Getränk, das ich in Specialty-Bars immer wieder gesehen und bis jetzt nie selbst gemacht habe.
Die Idee ist simpel. Ein hohes Glas mit Eiswürfeln füllen, kaltes Tonic Water drüber, dann einen frischen Espresso langsam oben drauf gießen. Der Espresso soll auf dem Tonic schweben, zwei saubere Schichten, dunkel über hell. So sieht das in den Kaffeebars aus, so sieht das auf jedem zweiten Instagram-Foto aus.
So hat es bei mir nicht ausgesehen.
Der erste Versuch
Den Espresso habe ich wie immer bezogen. 18 Gramm rein, 36 Gramm raus, 25 Sekunden Bezugszeit. Shot in mein kleines Edelstahl-Kännchen, auf der Waage, nichts Besonderes.
Dann gegossen. Langsam, dachte ich. Über die Eiswürfel, damit die den Strom bremsen. Aber der Espresso hat sich beim Auftreffen sofort mit dem Tonic vermischt. Keine Schichtung, keine zwei Farben. Einfach ein dunkelbraunes Glas mit einem Crema-Ring oben drauf.

Warum das passiert
Die Schichtung funktioniert über den Dichteunterschied zwischen den beiden Flüssigkeiten. Kaltes Tonic Water ist dichter als heißer Espresso, weil Temperatur und gelöste Stoffe (CO₂, Chinin, je nach Marke auch Zucker) die Dichte beeinflussen. Wenn du den Espresso langsam genug einlaufen lässt, legt er sich als leichtere Schicht oben drauf.
Aber „langsam genug“ heißt wirklich langsam. Über den Rücken eines Löffels zum Beispiel, der den Strom verteilt und die kinetische Energie beim Aufprall reduziert. Oder über einen einzelnen großen Eiswürfel statt vieler kleiner. Meine Eiswürfel waren Standard aus der Tiefkühlfach-Form und der Strahl aus dem Kännchen war zu direkt. Die Strömung hat die Schichten sofort durchmischt.
Der zweite Versuch

Beim zweiten Mal habe ich das Kännchen fast waagrecht gehalten und den Espresso über den größten Eiswürfel laufen lassen. Ganz langsam, fast tropfend. Und tatsächlich, für ungefähr zehn Sekunden hatte ich die Schichtung. Dunkel über hell. Dann hat sie sich wieder aufgelöst.
Ehrlich gesagt waren die zehn Sekunden befriedigend genug.
Wie es schmeckt
Das Getränk selbst ist überraschend gut, egal ob geschichtet oder nicht. Die Bitterkeit des Espressos trifft auf das Chinin im Tonic, die Kohlensäure macht alles leichter und spritziger. Kein Zucker, keine Milch, nichts dazwischen. Wenn du bei 30 Grad etwas trinken willst, das wach macht und erfrischt, ist Espresso Tonic eine klare Option.
Falls du es selbst probieren willst
Du brauchst ein hohes Glas, Eiswürfel (große sind besser als kleine), ein Tonic Water das dir schmeckt, und einen frisch bezogenen Espresso. Den Espresso unbedingt in ein separates Gefäß beziehen, nicht direkt ins Glas, damit du die Gießgeschwindigkeit kontrollieren kannst. Dann langsam über einen Eiswürfel oder Löffelrücken eingießen.
Ob die Schichten stehen oder nicht, ändert am Geschmack genau nichts.
Kurz und knapp Zusammengefasst
Ein doppelter Espresso (18 g Kaffee, 36 g in der Tasse, 25 Sekunden), 120 bis 150 ml kaltes Tonic Water, ein hohes Glas voll Eiswürfel. Das Verhältnis liegt bei 1:2 bis 1:3 (Espresso zu Tonic), je nachdem wie intensiv du es magst. 1:2 schmeckt kräftig, 1:3 ist der gängige Ausgangspunkt.
Den Espresso in ein separates Gefäß beziehen, nicht direkt ins Glas. Erst das Tonic über die Eiswürfel gießen. Dann den Espresso langsam über den Rücken eines Löffels oder den größten Eiswürfel laufen lassen. Je langsamer, desto besser die Chance auf Schichtung. Nicht umrühren.
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