Der Espresso, der alles veränderte

Als Österreicher wächst man mit der Kaffeehauskultur auf. Wobei meine ersten Kaffees waren wie es im Mühlviertel eben üblich war, ein Verlängerter, maximal überextrahiert, und der Zweck war die Koffeinaufnahme, nicht der Genuss. Diesem Irrglauben bin ich lange aufgesessen. Erst als in meinem Umfeld Röster der Third Wave Coffee Bewegung auf Freistädter Boden aufschlugen, wurde mir klar, Kaffee darf auch Genuss sein. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch einen Kollegen in der Firma in der ich damals tätig war, der sich gerade einen Siebträger mit Direktanschluss und allem Drum und Dran für zu Hause gekauft hatte. Da kamen erste Diskussionen auf, dass es Unterscheidungen zwischen Kaffee und koffeinhaltigen Heißgetränken gibt.

Aber von diesem Zeitpunkt bis zu meiner ersten Siebträgermaschine war es noch ein langer Weg. Dazwischen habe ich Experimente mit der French Press gemacht, für mich schon damals die bessere Zubereitungsart. Von Karlsbader Kannen und Ähnlichem habe ich gehört und sie auch gesehen, doch es war noch nicht meine Welt.

Weihnachten 2020 wollte ich mich selbst beschenken und habe mit einem unverbindlichen Besuch im lokalen Espressomaschinengeschäft in Linz gestartet. Siebträger haben mich immer fasziniert, doch dachte ich mir, dafür trinke ich zuhause zu wenig Kaffee, und Espresso alleine ist auch nicht meins. Mit meiner Lebensgefährtin war ich ja ein Wiener-Melange-Trinker geworden. Daher musste die neue Maschine auch Milchschaum machen können, so kam mein Blick auf die Rocket Appartamento.

Mein Weg zum Espresso beginnt mit einem Nein

Und ich wollte eigentlich nur den Siebträger kaufen. Ohne Mühle. Gemahlener Kaffee würde reichen, dachte ich. Der Verkäufer sah das anders. „Nein.“ Aber wenn ich… „Nein.“ Ab… „Nein.“ Er hat mich nicht mal ausreden lassen. Er sollte recht behalten. Als ich zuhause den offenen Kaffee den ich noch für die French Press hatte versucht habe, habe ich sofort bemerkt, der Mann wusste wovon er spricht. Und ich hatte noch sehr viel zu lernen 🙂

Das war der Anfang. Eine Rocket Appartamento, eine Eureka Mühle, 14 Tage Lockdown im Dezember 2020, und meine Lebensgefährtin, die bereit war sich durch fragwürdige Espressi und Cappuccini zu trinken. Was als Zeitvertreib begann, wurde schnell etwas anderes. Ich fing an zu messen. Mahlgrad, Extraktionszeit, Brew Ratio. Nicht weil ich auf der Suche nach der perfekten Haselnuss- oder Schokonote war, sondern weil mich interessiert hat ob der Shot reproduzierbar ist. In München haben mich Kollegen, selbst Espresso-Afficionados, etwas entgeistert angesehen wenn ich die Waage neben die Maschine gestellt habe. Aber so bin ich. Ich bin Chemiker, ich denke in Prozessen, und Qualität entsteht durch Kontrolle, nicht durch Zufall.

Was dabei herauskam, wer misst statt schätzt, bekommt reproduzierbare Ergebnisse. Und wenn etwas nicht passt, kann ich als Chemiker zumindest erklären warum. Das hilft.

Zwei Städte, zwei Kaffeewelten

Stationen in München und Mexiko haben meinen Blick zusätzlich verändert. München hat mir gezeigt, dass Kaffeebegeisterung keine Grenzen kennt. In der vermeintlich nördlichsten italienischen Stadt sind italienische Röstungen begehrt, und das aus gutem Grund. Viele Cappuccini und Espressi habe ich meinen Kollegen und Prozesspartnern kredenzt, und keine Besprechung begann ohne Kaffee. Und bei der ersten gemeinsamen Tasse Kaffee wird das Eis gebrochen 🙂

In Mexiko war ich zweimal. Einmal beruflich, noch vor der Appartamento. Kaffee war dort überall, aber zu dem Zeitpunkt noch nicht mein Thema. Das kam erst später. Als meine Lebensgefährtin und ich danach nochmal drei Wochen Urlaub in Mexiko machten, haben wir Kaffeebohnen von lokalen Third Wave Röstern mitgenommen und etwas gelernt das ich nicht erwartet hätte, Kaffee muss nicht immer puristisch sein. Eine mexikanische Mischung mit Zimt macht einen genialen Frühstückskaffee. Kein Dogma, kein Purismus. Was schmeckt, hat seine Berechtigung.

Dabei ist Restless Raven entstanden. Kein Masterplan, aber auch kein Zufall. Ich habe gesehen dass ich als Quereinsteiger Wissen zu Kaffee aufbauen kann. Darum jetzt der Blog. Das ist mein Weg zum Espresso gewesen.

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Markus

Markus

Chemiker, Ingenieur, Gründer von Restless Raven Coffee.
CSP Sensory Intermediate

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