Was sind ESE Pads?

Ein ESE Pad ist eine vorportionierte Espresso-Portion aus rund sieben Gramm gemahlenem Kaffee, eingeschlossen zwischen zwei Lagen Filterpapier in einem genormten Durchmesser von 44 Millimetern. ESE steht für Easy Serving Espresso und bezeichnet einen offenen, herstellerübergreifenden Standard, der unter neun bar Brühdruck einen Espresso mit Crema erzeugt. Das System geht auf eine Erfindung von illy aus dem Jahr 1974 zurück und wurde 1998 von einem Konsortium aus sieben Röstern und Maschinenherstellern als offener Standard formalisiert.

Zwischen einem Espresso aus dem Siebträger mit frisch gemahlenen Bohnen und den geschlossenen Kapselsystemen von Nespresso oder Dolce Gusto gibt es damit einen dritten Weg, der im deutschsprachigen Raum selten bekannt ist, in Italien aber seit Jahrzehnten zum Alltag gehört. Das ESE Pad arbeitet mit denselben Brühparametern wie ein Siebträger, nur dass Mahlgrad, Dosierung und Anpressdruck bereits in der Rösterei festgelegt sind. Unter den vorportionierten Systemen kommt das Ergebnis dem Bar-Espresso damit am nächsten.

Aufbau und Standard

Der Aufbau eines ESE Pads ist bewusst einfach gehalten. Zwischen zwei Lagen Filterpapier liegt eine exakt dosierte Menge gemahlener, gepresster Kaffee. Es gibt keine Plastikkapsel, kein Aluminiumgehäuse, kein Ventil und keine Mechanik, die über das reine Kaffeemehl im Papier hinausgehen würde. Diese Einfachheit ist kein Kompromiss, sondern eine Designentscheidung, die den gesamten Einfluss auf den Espresso in die Rösterei verlagert.

Das Konsortium hinter dem Standard schreibt vor, dass der Durchmesser 44 Millimeter beträgt und ausschließlich reine Kaffeebohnen verwendet werden dürfen, keine Aromen, keine Zusätze. Wer das ESE-Logo auf seine Pads drucken will, muss diese Spezifikation einhalten. Alles, was den Espresso beeinflusst, wird dadurch bereits bei der Produktion definiert und im Pad konserviert, an der Maschine bleibt nur noch die Aufgabe, heißes Wasser mit dem richtigen Druck durch das Pad zu pressen.

Was ESE von Kapselsystemen unterscheidet

Wer ESE Pads zum ersten Mal sieht, denkt oft an Nespresso oder Senseo. Die Systeme folgen aber grundlegend verschiedenen Philosophien, und die Unterschiede sind größer als das ähnliche Versprechen der Portionierung vermuten lässt.

Nespresso ist ein geschlossenes System. Die Kapsel passt nur in diese Maschinen, die Maschine akzeptiert nur deren Kapseln oder Nachbauten, die das Format kopieren. Der Hersteller kontrolliert damit beide Seiten der Gleichung, Maschine und Portion, und der Konsument zahlt für die Bequemlichkeit mit dem Verlust der Wahlfreiheit.

ESE funktioniert umgekehrt. Weil der Standard offen ist, kann jeder Röster ESE Pads produzieren und jeder Maschinenhersteller ESE Kompatibilität einbauen, ohne Lizenzgebühren oder Exklusivverträge. Ein Pad von Hausbrandt funktioniert in derselben Maschine wie ein Pad von Passalacqua, Kimbo oder einer kleinen toskanischen Familienrösterei. Das Pad gehört dem Röster, die Maschine dem Hersteller, und der Konsument wählt beides unabhängig voneinander.

Senseo-Pads wiederum sind ein eigenes Format mit 70 Millimetern Durchmesser und deutlich weniger Brühdruck. Das Ergebnis ist filterkaffeeähnlich und hat mit Espresso wenig zu tun. Wer Senseo-Pads und ESE Pads verwechselt, vergleicht zwei Systeme, die weder verwandt noch kompatibel sind.

Am deutlichsten wird der Unterschied beim Material. Nespresso-Kapseln bestehen aus Aluminium, Dolce-Gusto-Kapseln aus Kunststoff. Ein ESE Pad besteht aus Filterpapier und Kaffee, und nach dem Bezug bleibt ein nasses Stück Papier mit Kaffeesatz übrig, das kompostierbar ist und kein Recycling braucht.

So funktioniert die Zubereitung

Die Zubereitung mit ESE Pads ist so unkompliziert, wie das System verspricht. Du heizt die Maschine auf, öffnest den Siebträger, legst das Pad ein und spannst den Siebträger wieder ein. Dann startest du den Bezug, und in rund 25 Sekunden steht ein Espresso mit Crema in der Tasse. Danach entnimmst du das benutzte Pad und entsorgst es, ohne ein Mahlwerk zu reinigen, eine Dosierung abzuwiegen oder einen Puck aus dem Sieb zu klopfen.

Viele ESE-Maschinen geben einen Pumpendruck von 15 bar oder mehr an. Diese Zahl beschreibt allerdings die maximale Leistung der Pumpe, nicht den Druck, der tatsächlich am Kaffeemehl ankommt. Maßgeblich für den ESE-Standard sind rund neun bar Brühdruck am Pad, derselbe Wert wie beim klassischen Espresso aus dem Siebträger. Das Ergebnis in der Tasse ist deshalb kein Pad-Kaffee im Senseo-Sinn, sondern ein Espresso mit Crema, Körper und dem Geschmacksprofil, das der Röster in seinen Blend geplant hat.

Warum ESE Pads in Italien Alltag sind

In Italien sind ESE Pads kein Nischenprodukt. Neben der Mokka gehören sie zu den Standardmethoden, um zuhause Espresso zu trinken, und praktisch jeder größere Röster der italienischen Kaffeetradition bietet seine Blends auch in diesem Format an.

Die Logik dahinter folgt einer Grundüberzeugung der italienischen Kaffeekultur. Der perfekte Espresso wird an der Bar getrunken, zubereitet von einem Barista an einer professionellen Maschine mit frisch gemahlenen Bohnen. Zuhause führen dann zwei Wege möglichst nah an diesen Espresso heran. Die Mokka liefert den klassischen Caffè am Herd, das ESE Pad einen Espresso mit Crema aus der Maschine. Die beiden Methoden ergänzen sich, ohne miteinander zu konkurrieren.

Auch in Büros und kleinen Bars ist das System verbreitet, weil es pro Tasse funktioniert und zwischen den Bezügen keine Reinigung braucht. Die Kosten pro Pad liegen je nach Röster und Qualität meist um die 50 Cent, was das System auch wirtschaftlich im Bereich des täglichen Gebrauchs hält.

Welche Maschinen ESE Pads akzeptieren

ESE Pads passen in zwei Kategorien von Maschinen, die sich im Konzept deutlich unterscheiden. Hersteller wie Faber oder Didiesse bauen dedizierte ESE Maschinen, kompakte Geräte, die ausschließlich mit ESE Pads arbeiten und in wenigen Minuten betriebsbereit sind. In Italien stehen sie in vielen Haushalten und Büros, weil sie kleiner und günstiger als klassische Siebträger sind und trotzdem einen echten Espresso liefern.

Die zweite Kategorie sind klassische Siebträgermaschinen, zu denen viele Hersteller einen speziellen ESE-Siebeinsatz mitliefern oder als Zubehör anbieten. Du wechselst den Einsatz im Siebträger und kannst zwischen frisch gemahlenem Kaffee und ESE Pad hin und her wechseln, ohne ein zweites Gerät zu brauchen. Ich verwende das selbst regelmässig wenn ich meinen Siebträger nicht verfügbar habe und es beim Espresso trotzdem keinen Kompromiss geben soll.

Was in der Tasse passiert

Das Ergebnis eines ESE Bezugs unterscheidet sich von anderen Portionssystemen dadurch, dass die Brühparameter dieselben sind wie beim Siebträger. Weil Druck, Bezugszeit und Kaffeemenge dem klassischen Espresso entsprechen, kommt das Ergebnis dem Bar-Espresso näher als bei jeder Kapsel, die unter anderen physikalischen Bedingungen arbeitet.

Ein Punkt wird dabei oft unterschätzt. Dosierung und Anpressdruck stimmen bei jedem Pad, weil sie ab Werk festgelegt sind. Es gibt kein Channeling durch ungleichmäßiges Tamping, keine Über- oder Unterdosierung, und die Konsistenz von Shot zu Shot ist höher als bei vielen Siebträger-Bezügen zuhause, wo schon ein halbes Gramm den Unterschied zwischen einem ausgewogenen und einem bitteren Espresso macht. Wer sich mit Extraktion beschäftigt hat, kennt dieses Thema.

Dazu kommt die Verpackung. Jedes ESE Pad ist einzeln in Folie versiegelt, häufig unter Schutzatmosphäre, was das Aroma besser konserviert als eine offene Bohnenpackung, die nach dem Öffnen kontinuierlich Sauerstoff zieht. Frisch gemahlener Kaffee bleibt das Optimum, das ist Physik und daran ändert kein Verpackungskonzept etwas. Aber die versiegelte Einzelportion bringt das Pad näher an dieses Optimum heran, als die meisten erwarten würden.

Nachhaltigkeit

Im Vergleich zu Kapselsystemen hat das ESE Pad einen materiellen Vorteil, der sich nicht wegdiskutieren lässt. Wo Nespresso Aluminium und Dolce Gusto Kunststoff pro Portion einsetzen, besteht ein ESE Pad aus Filterpapier und Kaffee. Nach dem Bezug bleibt ein nasses Stück Papier mit Kaffeesatz übrig, das in die Biotonne oder auf den Komposthaufen kann, ohne Sortierung und ohne Rückgabesystem.

Der einzige relevante Verpackungsanteil ist der Folienbeutel der Einzelversiegelung, der in den Restmüll gehört. Manche Hersteller bieten ihre Pads auch in Mehrstückpackungen mit reduzierter Einzelverpackung an, was diesen Anteil weiter verringert. Gemessen an der Gesamtbilanz pro Tasse ist das ESE Pad damit das unkomplizierteste Portionssystem, wenn es um die Entsorgung geht.

Für wen ESE Pads Sinn machen

ESE Pads sind kein Ersatz für das Ritual aus Mahlen, Dosieren und Tampen, sondern eine Ergänzung, die ihre Stärke genau dort ausspielt, wo die Zeit oder die Lust für den vollen Prozess fehlt. Am Morgen vor der Arbeit, im Büro zwischen zwei Terminen, oder zuhause als Backup neben der Siebträgermaschine, die an diesem Tag einfach kalt bleibt.

Gleichzeitig sind ESE Pads ein guter Einstieg für alle, die Espresso trinken wollen, aber noch keine Mühle besitzen,  wenig Platz haben  oder sich an die Abstimmung von Mahlgrad und Dosierung nicht herantrauen. Das Pad nimmt die technische Hürde, ohne dafür beim Ergebnis den Kompromiss einer Filterpadmaschine zu verlangen.

Vor allem aber öffnet das System ein Sortiment, das in Österreich kaum jemand auf dem Radar hat. Dutzende italienische Röstereien von Neapel bis Turin produzieren ihre Blends als ESE Pad. Das sind Röster mit Geschichte und einem Geschmacksprofil, das sich hierzulande bisher kaum probieren ließ.

Häufige Fragen

Was sind ESE Pads? 

ESE Pads sind vorportionierte, vorgepresste Espresso-Einheiten aus rund sieben Gramm Kaffee zwischen zwei Lagen Filterpapier, 44 Millimeter im Durchmesser. Sie folgen einem offenen Standard und erzeugen unter neun bar Brühdruck einen Espresso mit Crema.

Was bedeutet ESE? 

ESE steht für Easy Serving Espresso. Es bezeichnet einen offenen, herstellerübergreifenden Standard für Espresso-Pads, der von einem Konsortium aus Röstern und Maschinenherstellern gepflegt wird.

Worin unterscheiden sich ESE Pads und Nespresso-Kapseln? 

ESE Pads bestehen aus Filterpapier und Kaffee und funktionieren in jeder ESE-kompatiblen Maschine. Nespresso ist ein geschlossenes System aus Aluminiumkapseln, die nur in Nespresso-Maschinen passen.

Welche Maschinen funktionieren mit ESE Pads? 

Zwei Arten. Dedizierte ESE-Maschinen, die ausschließlich mit Pads arbeiten, und klassische Siebträgermaschinen mit einem ESE-Siebeinsatz, der in den Standard-Siebträger passt.

Sind ESE Pads dasselbe wie Senseo-Pads? 

Nein. Senseo-Pads haben einen Durchmesser von 70 Millimeter, arbeiten mit weniger Druck und ergeben einen filterkaffeeähnlichen Kaffee. Sie sind nicht mit ESE-Maschinen kompatibel.

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Markus

Markus

Chemiker, Ingenieur, Gründer von Restless Raven Coffee.
CSP Sensory Intermediate

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