Welche Bohnen passen für den Kaffeevollautomaten?

Ich trinke meinen Kaffee aus dem Siebträger. Aber wenn mich Freunde fragen, was sie in ihren Vollautomaten füllen sollen, sage ich nicht „kauf dir lieber einen Siebträger“. Ich sage, dass die Bohne einer der größten Hebel ist, den sie haben. Nicht der einzige, dazu komme ich noch. Aber der, um den sich die wenigsten wirklich kümmern.

Nicht die Maschine, nicht das Programm, nicht die Brühtemperatur-Einstellung im Menü, sondern die Bohne.

Wenn du ein Ergebnis in der Tasse haben willst, das dich morgens zufrieden macht, musst du an dieser Stellschraube drehen. Problem ist nur, dass die Kaffeeindustrie rund um den Vollautomaten ein Vokabular aufgebaut hat, das mehr verwirrt als hilft.

Caffè Crema ist ein Verwendungshinweis, keine Bohnensorte

Dieser Begriff taucht auf vielen Packungen im Supermarkt auf. Caffè Crema, Crema-Mischung oder Caffè Crema Intenso. Das klingt nach einer eigenen Kategorie. Ist es aber nicht, jedenfalls nicht im botanischen Sinn.

Es gibt Arabica-Bohnen, es gibt Robusta-Bohnen, und es gibt verschiedene Röstgrade. Café Crème, so der ursprüngliche Schweizer Name, bezeichnet ein längeres, mit der Espressomethode gebrühtes Getränk, keine Bohnensorte. „Caffè Crema“ auf der Packung sagt dir also vor allem, wofür die Mischung gedacht ist. Der Röstgrad ist oft etwas heller als bei einem klassischen Espresso, aber ob reines Arabica oder mit Robusta gemischt, das variiert von Röster zu Röster.

Es ist kein Qualitätsmerkmal und kein spezielles Verfahren, sondern eine Verwendungsangabe.

Ähnlich ist es mit „speziell für Vollautomaten geeignet“. Jede Bohne, die nicht aromatisiert, karamellisiert oder stark ölig ist, funktioniert in einem Vollautomaten. Das deckt sich auch mit dem, was Hersteller wie De’Longhi in ihren eigenen FAQ schreiben, zu ölige, karamellisierte oder beschichtete Bohnen sollst du meiden, weil sie am Mahlwerk kleben bleiben und es dauerhaft beschädigen können. Die Frage ist also nicht, ob eine Bohne funktioniert. Sondern ob sie dir schmeckt.

Was der Vollautomat mit deinem Kaffee macht

Ein Vollautomat mahlt die Bohne, presst Wasser mit Druck durch das Kaffeemehl und liefert dir ein fertiges Getränk. Klingt nach Espresso. Ist es im Prinzip auch, nur mit weniger Kontrolle über die Details. Der Mahlgrad ist nur in engen Stufen einstellbar, die Brühtemperatur liegt in einem schmalen, oft fixen Fenster, und die Brühkammer fasst je nach Gerät irgendwo zwischen fünf und sechzehn Gramm Kaffeemehl.

Ein Wort zum Druck, weil der gerne als Verkaufsargument herhalten muss. „Fünfzehn bar Pumpendruck“ steht auf fast jedem Gerät. Das ist aber nur die maximale Leistung der Pumpe, nicht der Druck, mit dem tatsächlich gebrüht wird. Ein Druckhalteventil in der Brühgruppe reduziert das auf ungefähr neun bar. Die fünfzehn bar auf der Verpackung sagen also wenig darüber, was am Ende in deiner Tasse landet.

Was das für die Extraktion heißt, ist nicht ganz so einfach, wie oft behauptet wird. Wegen der kleineren Dosis und der eingeschränkten Mahlfeinheit ist der Kaffee oft weniger konzentriert als aus dem Siebträger. Ob das Richtung Unter- oder Überextraktion geht, hängt vom Getränk ab. Bei einem kurzen Espresso passiert eher zu wenig, bei einem langen Caffè Crema, bei dem viel Wasser durch eine kleine Menge Kaffeemehl läuft, eher zu viel. Wenn du mehr über Extraktion wissen willst, dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben.

Für die Bohnenwahl heißt das drei Dinge.

Helle Röstungen sind heikel. Sie sind dichter, weniger porös und lösen sich schwerer. Sie brauchen feinere Mahlung und höhere Temperatur, um ihr Aroma vollständig herauszulösen. Genau die Stellschrauben, die der Vollautomat kaum hergibt. Das Ergebnis schmeckt oft sauer und dünn.

Mittlere bis mitteldunkle Röstungen sind der Sweetspot. Sie sind poröser, lösen sich leichter und bringen genau die Aromen mit, die der Vollautomat gut herausarbeiten kann, Schokolade, Nuss, Karamell, ein samtiger Körper.

Sehr dunkle Röstungen sind ein Risiko. Nicht nur geschmacklich, sie werden oft einseitig bitter, sondern vor allem wegen des Öls. Dazu gleich mehr.

Das Öl-Problem

Kaffeebohnen enthalten Lipide, also Fette. Arabica bringt davon tendenziell mehr mit als Robusta, aber das ist zweitrangig. Wichtiger ist der Röstgrad. Bei heller und mittlerer Röstung bleiben die Fette größtenteils im Inneren der Bohne. Je dunkler geröstet wird, desto mehr wandern sie an die Oberfläche. Das ist der Glanz, den du auf stark gerösteten Espressobohnen siehst.

Im Siebträger ist das kein Drama. Du mahlst, du brühst, du reinigst. Im Vollautomaten sieht das anders aus. Die Bohnen rutschen durch einen Trichter ins Mahlwerk, und genau dort setzen sich die Öle ab. Sie verkleben die Mahlscheiben, lagern sich im Schacht ab und werden mit der Zeit ranzig. Das verändert nicht nur den Geschmack der nächsten Tassen, sondern erhöht auch den Verschleiß. De’Longhi schreibt es in den eigenen FAQ ziemlich unverblümt, zu ölige, karamellisierte oder beschichtete Bohnen können am Mahlwerk haften bleiben und es dauerhaft beschädigen.

Die Faustregel ist simpel. Bohnen für den Vollautomaten sollten matt und trocken aussehen. Glänzen sie wie polierte Steine, lass sie liegen. Ein Blick auf die Bohne selbst sagt dir da mehr als die Marke auf der Packung.

Arabica, Robusta, oder beides

Die Frage kommt immer. Mein Artikel über Arabica und Robusta geht tiefer ins Thema. Hier die Kurzversion für den Vollautomaten.

Hundert Prozent Arabica bringt tendenziell feinere Aromen, mehr Süße, weniger Bitterkeit. Für einen schwarzen Kaffee aus dem Vollautomaten ist das oft die bessere Wahl.

Kleiner Exkurs für alle, die in Österreich einen Verlängerten bestellen: Traditionell ist das kein langer Kaffeebezug, sondern ein Espresso, der danach mit heißem Wasser gestreckt wird. Wenn dein Vollautomat einen „Verlängerten“-Knopf hat, der einfach nur länger durchlaufen lässt, bekommst du geschmacklich etwas anderes als das Original. Der bessere Weg, Espresso beziehen und separat mit heißem Wasser aufgießen.

Sobald Milch ins Spiel kommt, ändert sich die Gleichung. Milch dämpft feine Aromen. Ein Cappuccino aus reiner Arabica kann dünn wirken, weil die subtilen Noten verschwinden. Ein Blend mit zwanzig bis dreißig Prozent Robusta bringt mehr Körper, eine stabilere Crema und setzt sich gegen die Milch besser durch. Keine feste Regel, Erfahrungswert.

Und lass dir nicht einreden, dass Robusta grundsätzlich minderwertig ist. Es gibt hervorragenden Fine Robusta, der nach den Kriterien des Coffee Quality Institute genauso als Spezialitätenkaffee zertifiziert wird wie gute Arabica. Und es gibt schlechte Arabica-Massenware, die jeder ordentliche Robusta schlagen würde. Die Sorte allein sagt wenig.

Kurz geröstet, lange geröstet

Auf Packungen im Supermarkt findest du selten ein Röstdatum. Dafür ein Mindesthaltbarkeitsdatum, oft ein bis zwei Jahre in der Zukunft. Das hat weniger mit der Röstung zu tun als mit Gesetz und Verpackung. Das MHD ist Pflicht, das Röstdatum ist freiwillig. Wie lange Kaffee frisch bleibt, hängt von der Verpackung ab, Aromaventil, Schutzgas, Sauerstoffausschluss sind hier die Einflussfaktoren.

Kleine Röstereien arbeiten meistens mit der klassischen Trommel, typischerweise zehn bis zwanzig Minuten bei niedrigeren Temperaturen. Beide Verfahren haben ihre Verfechter. Was für dich als Vollautomaten-Besitzer zählt, ist letztlich weniger die Methode als der Röstgrad, den ich oben schon beschrieben habe.

Trotzdem, und das ist meine persönliche Erfahrung, eine gut geröstete Bohne aus einer kleinen Rösterei macht in einem Mittelklasse-Vollautomaten für mich oft mehr Spaß als eine anonyme Supermarkt-Bohne in einem Premiumgerät. Nicht weil Handwerk automatisch besser ist, sondern weil kleine Röstereien dir meistens sagen, was du kaufst. Herkunft, Röstdatum, Röstgrad. Diese Transparenz ist am Ende wichtiger als die Frage Trommel oder Heißluft.

Der Schummelzettel für deinen nächsten Bohnenkauf

Statt einer Einkaufsliste mit Markennamen, die morgen schon nicht mehr stimmt, hier die Kriterien, nach denen du selber auswählen kannst.

Kriterium Worauf du achten solltest
Röstgrad Mittel bis mitteldunkel. Geschmacksprofil: Schokolade, Nuss, Karamell. Steht „fruchtig“ oder „blumig“ auf der Packung, ist die Röstung für den Vollautomaten wahrscheinlich zu hell. Hohe Stärkeangabe oder sichtbar öliger Glanz, wahrscheinlich zu dunkel.
Oberfläche Matt und trocken. Kein öliger Film auf den Bohnen.
Röstdatum Die meisten Supermarktkaffees weisen es nicht aus, weil es gesetzlich freiwillig ist. Gute Röstereien drucken es trotzdem auf die Packung. Nach einer Ruhezeit von ein bis zwei Wochen schmecken frisch geröstete Bohnen am besten, gute Ergebnisse gibt es oft bis vier bis sechs Wochen nach der Röstung. Im Bohnenbehälter nur so viel lagern, wie du in ein paar Tagen verbrauchst.
Herkunft Brasilianische Bohnen bringen typischerweise Schokolade, Nuss und Süße, also Aromen, die Vollautomaten gut vermitteln. Kolumbianische Bohnen wirken oft runder. Äthiopische Bohnen können fantastisch sein, aber ihre fruchtigen Noten brauchen meistens eine präzisere Extraktion als die meisten Vollautomaten liefern.
Blend oder Single Origin Blends sind konsistenter und verzeihender. Single Origins zeigen mehr Charakter, können im Vollautomaten aber untergehen, wenn die Röstung nicht passt. Zum Einstieg, ein gut gerösteter Blend aus einer Rösterei, die Herkunft, Röstdatum und Röstgrad nennt. Fehlen diese drei Informationen, such weiter.

Der Faktor, den alle vergessen

Ich habe eingangs gesagt, die Bohne ist einer der größten Hebel. Der andere, den fast niemand beachtet, ist das Wasser. Espresso und Caffè Crema bestehen zu weit über neunzig Prozent daraus.

Hartes Wasser macht den Kaffee oft flach. Es ist vor allem die Karbonathärte, der Hydrogencarbonat-Anteil. Der puffert Säuren weg, bevor sie in der Tasse ankommen. Deshalb schmeckt Kaffee aus sehr hartem Wasser oft stumpf.

Sehr weiches Wasser ist aber auch keine Lösung. Fehlen die Mineralien komplett, fehlt der Puffer für die Säure. Das Ergebnis ist eher sauer, spitz oder leer als bitter. Komplett enthärtetes oder destilliertes Wasser ist für Kaffee keine gute Idee.

Als Zielbereich für die Gesamthärte werden häufig etwa drei bis zehn Grad deutscher Härte genannt, dazu eine Karbonathärte von rund zwei bis vier Grad. Wo dein Wasser liegt, ist regional sehr unterschiedlich. In Wien und weiten Teilen Tirols liegst du oft schon nahe am Zielbereich. In Graz und in weiten Teilen von Ober- und Niederösterreich ist das Wasser meistens deutlich härter. Linz zum Beispiel liegt laut Wasserwerk zwischen vierzehn und einundzwanzig Grad deutscher Härte. Die genauen Werte für deinen Ort nennt dir dein Wasserversorger oder die Trinkwasser-Datenbank der AGES.

Ein Tischwasserfilter klingt nach der naheliegenden Lösung, ist es aber nicht automatisch. Filter mit Ionentauscher senken vor allem die Karbonathärte, teils sehr stark, und in ohnehin schon weicheren Regionen kann das den Kaffee eher schlechter machen. Der Verein für Konsumenteninformation hat in eigenen Tests keinen der geprüften Wasserfilter uneingeschränkt empfohlen. Wenn dein Wasser hart ist, stell zuerst den im Vollautomaten eingebauten Filter korrekt auf deine tatsächliche Wasserhärte ein. Teststreifen liegen den meisten Geräten bei, genauer sind die Angaben deines Wasserversorgers. Dieser eine Handgriff bringt oft mehr als das nächste Bohnenupgrade.

Was ich nicht empfehle

Aromatisierte Bohnen, Haselnuss, Vanille, Irish Cream und Co. Die Aromaöle und Beschichtungen bleiben im Mahlwerk hängen und verfälschen den Geschmack der nächsten Bezüge.

Bohnen ohne jede Angabe zum Röstdatum. Ein Röstdatum ist gesetzlich nicht verpflichtend, das weißt du jetzt. Aber eine Rösterei, die dir sagt, wie frisch ihr Kaffee ist, gibt dir mehr Vertrauen als eine, die dazu schweigt.

Die billigste Bohne, die du finden kannst. Kaffee ist ein landwirtschaftliches Produkt. Bei den aktuellen Preisen für Rohkaffee an der Börse deckt ein Kilo Röstkaffee für acht Euro kaum die Kosten. Irgendwo in der Kette wurde dafür gespart.

Probieren geht über Studieren

Der wichtigste Rat, den ich dir geben kann, ist keiner über eine bestimmte Bohne. Es ist dieser hier. Kauf dir zwei verschiedene 250-Gramm-Packungen von einer handwerklichen Rösterei. Trink eine Woche die eine, dann eine Woche die andere.

Kleine Erinnerung dazu, die ersten ein, zwei Bezüge nach dem Bohnenwechsel schmecken noch nach der alten Sorte. Im Mahlwerk und in der Brühgruppe bleiben Reste, das ist normal und kein Fehler deiner Maschine.

Achte darauf, was dir auffällt. Ist der Kaffee bitter, sauer, flach, rund, süß, schokoladig. Schreib es auf, wenn du magst. Nicht weil du ein Cupping-Protokoll führen musst, sondern weil du nach zwei, drei Vergleichen ziemlich genau weißt, was dir schmeckt.

Und dann kauf mehr davon.

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Markus

Markus

Chemiker, Ingenieur, Gründer von Restless Raven Coffee.
CSP Sensory Intermediate
CSP Roasting Intermediate
CSP Barista Skills Intermediate

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