Espresso zuhause, mein Start als Home Barista

Meinen Weg zum Espresso, der aus meiner ersten Siebträgermaschine kam, habe ich bereits erzählt. Die Frage die aber wichtiger ist, kannst du Espresso zuhause wie im Café machen? Die ehrliche Antwort, es kommt darauf an was du bereit bist zu investieren, nicht nur Geld, sondern Zeit und Ehrgeiz. Der Anfang hat seine Herausforderungen und es gibt eine steile Lernkurve gepaart mit ein bis zwei Nächten ohne Schlaf, da die Mühle korrekt eingestellt werden will und viele Espressi gekostet werden wollen.

Die Mühle ist wichtiger als die Maschine

Als Novize beim Kauf meiner ersten Espressomaschine habe ich es nicht geglaubt und habe es nachher an den eigenen Geschmacksknospen spüren müssen. Bereits gemahlenes Kaffeepulver ist für die Siebträgermaschine absolut ungeeignet. Versuche es gar nicht erst, NEIN, denk gar nicht dran, NEIN sagte ich! Das habe ich nicht glauben wollen, doch auch jetzt bin ich so hart in meiner Aussage falls ein kleiner Barista Padawan fragt ob er nicht zuvor gemahlenen Kaffee verwenden kann. Die wichtigste Komponente für perfekten Espresso und somit auch als Basis aller Milchkaffee-Variationen ist frisch gemahlener Kaffee. Dabei ist dann auch die wichtigste Variable der Mahlgrad, denn dadurch wird auch das Brew Ratio / Brühverhältnis beeinflusst. Ein Espresso hat in der Regel ein Brew Ratio von 1:2, das bedeutet, aus 18 Gramm gemahlenem Kaffee werden 36 Gramm flüssiges schwarzes Gold bzw. 2 Espressi oder ein Doppio. Die Bezugszeit dafür soll zwischen 25 bis 30 Sekunden sein. Je nach Röstgrad variiert dieses Verhältnis, dunkle Röstungen funktionieren oft mit Brew Ratios von 1:1 bis 1:1,5, das entspricht dann dem Ristretto. Hellere Röstungen vertragen ein größeres Verhältnis von 1:2 bis 1:3, für Espresso bis Lungo, um Säure und Extraktion in Balance zu halten.

Was du wirklich brauchst

In erster Linie brauchst du eine Siebträgermaschine, und da ist es egal welche Marke dir am besten gefällt und welche Größe sie hat. Zum Experimentieren kann das durchaus eine kleine günstige Alternative sein. Aber für flüssiges Gold sollte es in meiner Sicht der Dinge schon eine Faema Brühgruppe sein. Was nicht einfach „out of the box“ funktionieren wird, um Espresso wie an der Bar in Italien zu machen, ist ein Vollautomat. Wobei ich hier fair sein muss, James Hoffmann, einer der bekanntesten Kaffeeexperten weltweit, hat sich ausführlich mit Vollautomaten beschäftigt und ihnen durchaus gute Noten gegeben wenn es um Bequemlichkeit und Konsistenz geht.

Mein Minimal Setup

Für mich persönlich ist der Siebträger die richtige Wahl, weil ich die Kontrolle über den Prozess will. Wer das nicht braucht, für den kann ein guter Vollautomat absolut ausreichend sein. Weiter benötigst du eine gute Mühle, hier sollte nicht gespart werden, gerne 50 € mehr ausgeben und nachher glücklich sein. Better safe than sorry. Dann ist es notwendig dass du einen Tamper hast, der kommt meist mit der Espressomaschine mit, zumindest war das bei mir so und das ist zum Starten absolut ausreichend. Was auch dazu gehört und für mich das wichtigste Utensil nach einer Espresso Timer App am Mobiltelefon ist, ist eine Waage. Diese hilft dir das Kaffeemehl aus der Mühle korrekt abzuwiegen und danach die Auswaage an flüssigem Espresso zu kontrollieren und somit das Brew Ratio im Griff zu behalten. Wenn du in 25 Sekunden mehr als 36 bis 40 Gramm Espresso in der Tasse hast, ist der Mahlgrad zu grob. Benötigen die selben 36 Gramm Espresso rund 40 bis 50 Sekunden um in der Tasse zu landen, ist dein Mahlgrad zu fein oder du hast zu viel Kaffeemehl im Siebträger. Also brauchst du zum Starten als absolutes Minimum, Siebträgermaschine, Mühle, Tamper, eine Waage und natürlich Espressotassen. Solltest du Cappuccini oder Caffè Latte machen wollen, dann sind weitere Dinge notwendig, das aber zu einem späteren Zeitpunkt.

Espresso zuhause machen, die ersten Tage

Was habe ich in den ersten Tagen gelernt? So wie jeder andere Siebträger-Neuling, dass 15 Espressi an einem Tag zu einer schlaflosen Nacht führen 😉 Aber es ist einfach notwendig viele Bezüge zu exerzieren um den Umgang mit der Mühle zu lernen. Dabei ist es einfach wichtig sich an den richtigen Mahlgrad heranzutasten. Ohne Waage ist das schwer, aber nicht unmöglich. Die Alternative ist kein exaktes Messen sondern eher ein Schätzen, aber es hilft um zu lernen, dass Qualität nur mit messbarer Qualitätskontrolle entsteht. Was ohne Waage genutzt werden kann sind zwei Shot-Gläser, in dem du ungefähr die 15 bis 20 ml pro Espresso rinnen lässt und so kontrollieren kannst ob du dich dem ungefähren Brew Ratio näherst. Was habe ich weiter gelernt? Dass Cappuccino, bzw. Milch einiges an Fehlern in der Espresso-Zubereitung kaschieren kann. Mutig sein und nicht aufgeben, dann wird es auch was mit dem Home Barista.

Erwartungsmanagement, was zuhause nicht geht

Die ehrliche Antwort ist, es kommt auf dein Setup an. Ein Einkreiser macht was anderes als ein Zweikreiser, ein Single Boiler ist nicht dasselbe wie ein Dual Boiler. Wer nur Espressi trinkt braucht ein anderes Setup als jemand der auch Cappuccini und Caffè Latte machen will. Milch und Espresso gleichzeitig aus einer Maschine ist nicht immer möglich, zumindest nicht ohne Kompromisse oder ohne tiefer ins Brieftascherl zu greifen. Und das ist der Punkt wo ich ehrlich sein muss. Wie bei jedem Hobby gilt auch hier, ein Limit beim Ausgeben gibt es nicht wirklich. Und ein Hobby ist erst dann ein richtiges Hobby wenn es ein bisschen übertreibt 🙂 Die gute Nachricht ist, dass du mit einem vernünftigen Einstiegssetup sehr weit kommst. Perfektion kostet mehr. Aber sehr guter Espresso zuhause ist auch ohne Profi-Equipment möglich.

Espresso zuhause ist kein Kompromiss. Es ist ein anderes Erlebnis als an der Bar in Italien, und das ist auch gut so. Wer aufhört zu vergleichen und anfängt zu verstehen was in der Brühgruppe passiert, der hört auch auf zu hadern. Messen, nicht schätzen. Nur durch Übung kommt die Perfektion. Und falls die ersten Shots nicht passen, Milch kaschiert einiges. Das weißt du jetzt.

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Markus

Markus

Chemiker, Ingenieur, Gründer von Restless Raven Coffee.
CSP Sensory Intermediate

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