Vienna Coffee Festival 2026

Freitag, elf Uhr, Marx Halle Wien. Ich hab mir den Freitag genommen, weil ich da Urlaub bekommen habe. Dass der Freitag am Vienna Coffee Festival der B2B-Tag ist, habe ich erst danach erfahren. Weniger Publikum, mehr Fachleute, genau die Gespräche die am Wochenende in der Masse untergehen. Glück gehabt.

Ich hole mein Akkreditierungsband und starte über die Fläche. Drei Schritte. Dann steht Wolfgang vor mir.

Wolfgang und der Einstieg in den Tag

Wolfgang, ein alter Kollege aus meiner Kellner-Zeit während dem Studium, den ich seit Jahren nicht gesehen habe. Er ist mittlerweile Vertriebsleiter bei KMS, einem Kaffeemaschinen-Lieferanten. Die Wiedersehensfreude ist groß, wir umarmen uns, tratschen über Kaffee, und spätestens da war klar, dass dieser Tag genial wird.

datum.coffee, Innovation aus Innsbruck

datum.coffee
Prototyp von Datum.coffee

Eines der Dinge, die ich am Festival unbedingt sehen wollte, war der Prototyp von datum.coffee. Ich folge den beiden Gründern, Christoph Konheisner und Nikolaus Potapow, seit einem Video von der World of Coffee in Brüssel, wo die Kaffeemacher ihren Stand zum Highlight gekürt haben. Und jetzt stehe ich daneben und lasse mir die Technik erklären.

Das Konzept ist ein Duo aus Espressomaschine und Mühle, die miteinander vernetzt arbeiten. Du scannst die Kaffeeverpackung, das System erkennt die Sorte und stellt Mahlgrad, Dosis, Temperatur, Druck und Flow automatisch ein. Die Mühle wiegt während dem Mahlen, die Maschine tampt automatisch, und ein neu entwickeltes Heizsystem ist in Sekunden bereit. Einige Features sind zum Patent angemeldet, das ist die Innovationskraft made in Austria die mich begeistert.

Kickstarter ist für Ende 2026 geplant.

Emanuale, 9 Bar ohne Strom

Die zweite Entdeckung des Tages ist die Emanuale, eine manuelle Espressomaschine aus Deutschland. Das Prinzip ist komplett mechanisch, kein Strom, kein Motor. Eine Kurbel mit kugelgelagertem Drehmechanismus erzeugt den Druck, und wenn 9 Bar erreicht sind, klingelt es kurz und die Kurbel dreht durch. Wie eine Fahrradklingel am Druckpunkt. Das ist die mechanische Druckbegrenzung, und du hörst sie.

Das Ding wiegt 700 Gramm, ist kompatibel mit 58mm-Sieben aus der E61-Brühgruppe und hat eine integrierte Smart Ratio Scale, eine Dosiermarkierung die dir zeigt, wie viel Wasser durchgelaufen ist. Wann du aufhörst, bestimmst du selber.

Die Gründer beschreiben sich als Surfer und Teilzeit-Vanlifer, die eine portable Maschine wollten, die reproduzierbare Ergebnisse liefert, ohne auf Strom angewiesen zu sein. Das Ergebnis ist Ingenieurskunst im Taschenformat.

Am Cupping-Tisch passiert alles

Wenn es einen Ort am Festival gibt, an dem die meisten Kontakte entstehen, dann ist es der Cupping-Tisch. Dort steht man nebeneinander, löffelt und schlürft, und irgendwann redet man halt miteinander.

Bei HyCoffee habe ich Excelsa verkosten dürfen, bei Coweli eine Liberica. Beides sind eigenständige Coffea-Spezies neben Arabica und Robusta, und damit Kaffees, die man nicht jeden Tag in der Tasse hat. Es wird hier darüber gerätselt ob diese Spezien im Laufe des Klimawandels die neuen Kaffeebohnen werden, ich bin gespannt. Touton hat mich dann mit cofermentierten Kaffees verblüfft. Das schmeckt schon nach Cheat-Code, hat aber einen gewissen Reiz, wenn man sich darauf einlässt.

Am Cupping habe ich auch Edgar Gonzales von den Gonzales Brothers aus Ecuador kennengelernt. Er hat mir gleich ein Sample seines Kaffees mitgegeben, ein Washed Sidra. Einfach so, am Cupping-Tisch, nach fünf Minuten Gespräch. Das ist es, was so ein Festival an Kontakten bringt.

Jack Simpson und die Wiener Kaffeehäuser

Jack Simpson am Vienna coffee festival
Jack Simpson Fanboy Selfie

Der 2025 World Barista Champion Jack Simpson ist als FAEMA Global Ambassador am Festival, und ja, natürlich gibt es ein Selfie. Aber besser als das Foto war das Gespräch danach.

Jack erzählt, dass er nach dem Festival noch ein paar Tage in Wien bleiben will, und er will Kaffeehäuser sehen. Ich empfehle ihm das Gota, weil das halt mein Stammplatz in Wien ist, Third Wave, großartige Leute. Aber er winkt ab, nein, er will auch die traditionellen Kaffeehäuser sehen. Genau das, was ich in meinem Artikel über Wiener Kaffeehauskultur und Third Wave anspreche, diese zwei Welten, die in Wien nebeneinander existieren.

Also empfehle ich ihm das Hawelka, mit dem Augenzwinkern, dass man den Charme der traditionellen Wiener Kellner durchaus mögen muss. Das ist ein eigener Kosmos. Wer einmal von einem Wiener Ober mit einem knappen Kopfnicken empfangen wurde, weiß was ich meine.

Und dann noch das Hotel Imperial für eine Imperial Torte. Die hat nämlich keine Kalorien, vor allem wenn man auf Vacation ist 😀

Martin Stecher und die Emanuale

Martin Stecher
Martin Stecher Kaffee Selfie

Und dann steht auf einmal Martin Stecher hinter mir. Von MartinStecher Kaffee, aus der Nähe von Hannover. Ich bin komplett perplex und stammle, was machst du hier? Da war wirklich mein ganzes Instagram live vor Ort, bunt und in Farbe.

Ich erzähle ihm von der Emanuale, und Martin, der Technik-Nerd der er ist, marschiert sofort hin und schaut sich das Ding an. Komplett mechanisch, 9 Bar, 700 Gramm, kein Strom. Martin macht gern Kaffee beim Camping, und eine manuelle Espressomaschine ohne Strom ist dafür halt genau das richtige. Er hat sich dann auch eine gekauft. Auf der Stelle.

So funktioniert das beim Vienna Coffee Festival. 🙂

Die Szene trifft sich am Vienna Coffee Festival

Decaf Tattoo
MUST HAVE

Zwischendurch habe ich mit den Kollegen von Punto Rojo Vienna über Kaffee aus Peru geplaudert, mit Georg von Nubeans über seine Mikrorösterei gesprochen, und an den Ständen von Erika Kaffee mit Braunbär Kaffee über ihr Projekt der Röstgarage gesprochen. Kollaboration das ist genau mein Mindset, gefällt mir sehr.

Am Festival finden auch die österreichischen SCA-Meisterschaften statt, Barista und Latte Art. Das Niveau ist beeindruckend, und es zeigt, dass die Specialty-Szene in Österreich lebendig und spannend ist.

Bei Miriam von D Stands For habe ich mir meine Bestellung abgeholt unter anderem auch ein Kit aus dem Fermentation Project von James Hoffmann, welche Miriam geröstet hat. Messe und D Stands for, da muss dann natürlich auch eines der legendären Decaf Tattoos auf die Haut 🙂 .

BTW am 3. Oktober veranstalte ich mit diesem Kit aus dem Fermentation Project ein Cupping in Wien. Wer dabei sein will, findet alle Infos HIER

Ich freue mich wenn du dabei bist.

 

Ein Tag, ein Sample, ein Haufen Kontakte

Ein Tag am Vienna Coffee Festival, und ich gehe mit einem Sample Washed Sidra aus Ecuador, einem D-Caf Tattoo am Unterarm, zwei Dutzend neuen Kontakten und dem Gefühl nach Hause, dass die Kaffeewelt Österreichs klein genug ist um sich zu treffen, aber groß genug um jedes Mal Neues zu entdecken.

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Markus

Markus

Chemiker, Ingenieur, Gründer von Restless Raven Coffee.
CSP Sensory Intermediate
CSP Roasting Intermediate
CSP Barista Skills Intermediate

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